Majorero Canario - Hütehund der Kanaren


 

 

In eigener Sache... Fragen und Antworten.


Als ich Ende der 90er Jahre mit meinen Recherchen zu der autochthonen Hütehunderasse der Kanaren, dem Bardino Majoreiro, anfing, gab es im Internet keinerlei Informationen über sie.

Über die Jahre füllte ich diese Lücke mit großer Sorgfalt und Genauigkeit. Ich besuchte zahlreiche Tierschutzvereine auf den Kanaren, sprach mit Bardinobesitzern und Bardinozüchtern, befragte kanarische Tierärzte, aber auch Bardinoclub-Präsidenten und informierte mich in Museen, in denen von den Hunden der Guanchen berichtet wurde. Ich wälzte zahlreiche Bücher über die Guanchen und deren Hunde in kanarischen und deutschen Bibliotheken, schrieb Sachverständige an und ließ mir ihre Meinung zu den Hunden der Guanchen mitteilen. Zahlreiche Übersetzungen wurden in Auftrag gegeben. All das war nicht nur enorm zeitaufwendig, es kostete auch viel Geld.

Ende der 90er bis Mitte der 2000er Jahre war ich bis zu fünfmal im Jahr auf den Kanaren. Ich verbrachte viel Zeit vor Ort und beobachtete Bardinos mit ihren Schäfern bei ihrer Arbeit, hielt mich täglich mehrere Stunden in Perreras und Tierheimen auf, arbeitete dort mit den Hunden, brachte Hunde zum Tierarzt und kümmerte mich um den Abflug von vermittelten Hunden nach Deutschland und vieles, vieles mehr. Gemeinsam mit meinen Mistreitern vor Ort zeigten wir Missstände an und versuchten die Lebensbedingungen für die Tiere auf den Kanaren zu verbessern. Bis heute hat es nicht so gefruchtet, wie wir es uns als Tierschützer so sehr wünschen.

Anfang 2007 beendete ich die Recherchen zu meinem Buch „Bardino – Hütehund der Kanaren“ und veröffentlichte es kurz danach. Mittlerweile ist die 3. überarbeitete und erweiterte Auflage erschienen, die auch neueste Erkenntnisse rund um den Bardino berücksichtigt. Alles Wesentliche zum Bardino, untermauert von Informationen aus erster Hand und basierend auf langjähriger eigener Erfahrung, ist meines Erachtens gesagt.

Viele Pflegehunde zogen ab 1995 bei uns ein, wurden erzogen und weitervermittelt. Der Großteil der Pflegehunde waren Bardinos und Bardinas, auch einige Bardino-Mischlinge. Heute leben meine Familie und ich mit mehreren Hunden (zum Großteil natürlich Bardinos) und unserem alten schwarzen Kater - in völliger Harmonie. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein weiterer Bardino als Pflegehund oder eigener Hund einziehen wird.

Im Laufe meiner seit 1983 ehrenamtlichen Tierschutzarbeit konnte ich Tausende von Tieren in Not retten, sie vermitteln oder in Tierheimen oder auf Gnadenhöfen unterbringen. Auf diese Tatsache bin ich sehr stolz.

Leider ist es aber so, dass es immer mehr „Trittbrettfahrer“ im Tierschutzbereich gibt. Manche bezeichnen sich schon als Tierschützer, weil sie Fotos von Tieren in Not auf Facebook oder im E-Mail Verteiler verbreiten.

Es gibt noch immer meiner Meinung nach viele echte und gute Tierschutzvereine und verantwortliche und seriöse Tierschützer, die ordentlich und im Sinne der Tiere arbeiten, aber auch einige wirklich sehr schwarze Schafe. Da werden beispielsweise auf Facebook Gelder gesammelt, die angeblich an Tierschutzvereine weitergegeben werden, meist wird für einen bestimmten Hund und dessen anstehende Operation gesammelt. Es kann sich dabei durchaus um eine seriöse Aktion handeln, die einem Tierschutzverein hilft. Dazu muss man aber das Geld auch direkt auf das Konto dieses eingetragenen Vereins überweisen! Ich kenne mehrere Fälle, in denen das Geld niemals ankam - ein Hund, für den gesammelt wurde, war sogar schon seit Monaten tot! Diese Personen sind nicht einmal namentlich bei dem jeweiligen Tierschutzverein als Team-Mitglied genannt!

Was ich allerdings sehr begrüße, sind Facebook-Gruppen, in denen sich Tierbesitzer untereinander austauschen und keine Hetzkampagnen gegen Tierschutzvereine gestartet werden. Nur weil ein Tierschutzverein einmal nicht alles richtig gemacht hat, was auch jeweils bewiesen werden sollte, heißt das noch lange nicht, dass er ein schlechter Verein ist. Und KEIN Tierschutzverein hat immer direkt einen freien Platz für sogenannte „Rückläufer“ - Hunde, die meist als Welpen vermittelt wurden und dann als unerzogene, meist unkastrierte und unverträgliche Junghunde ihren Halter überfordern und an den Tierschutzverein zurückgegeben werden. Natürlich ist aus Sicht der abgebenden Person der Hund an allem schuld, der Besitzer nie!

Wer in seinem Leben nur einen einzigen Hund einer Rasse oder einen Mischling derselben hatte, kann auf dieser schmalen Basis keine ganze Rasse beschreiben und beurteilen.

Bei Facebook jedoch scheinen manche Gruppenadministratoren den Bezug zur Realität verloren zu haben, lassen keine andere Meinung zu und werfen kritische Teilnehmer rigoros aus der Gruppe.

Auf Facebook und Co. kursiert die Behauptung, Bardinos gebe es inzwischen in allen Ländern! Nur weil ein dunkler Hund gestromt ist, ist er noch kein Bardino!

Es werden dort Behauptungen rund um den Bardino aufgestellt, die keinerlei Beweiskraft haben - auch von selbsternannten Hundetrainern mit äußerst fraglichen Erziehungsmethoden. Es werden Fakten und Wesensmerkmale rund um den Bardino verdreht und falsch interpretiert.

Ganz wichtig: Wer im Tierschutz nicht für die gleiche Sache zusammenarbeiten und kämpfen kann, der hat im Tierschutz nichts zu suchen und sollte sich in einem Häkelkurs anmelden. Dort kann er weniger anrichten, als in einem Tierschutzverein, wo es um die Rettung von Tieren geht!


  Trittbrettfahrer sind der Beweis dafür, dass man erfolgreich ist.

(Susanne Anderauer)

 

Immer und immer wieder beantworte ich mit großer Geduld die gleichen Fragen zu den rassetypischen Eigenschaften des Bardinos. Doch ich helfe gerne und freue mich, wenn ich noch Jahre nach ihrer Vermittlung von meinen ehemaligen Schützlingen höre.

Hier nun die immer wiederkehrenden Fragen:  

Haben alle reinrassigen Bardinos doppelte Afterkrallen?
Nein, nicht alle Bardinos haben doppelte Afterkrallen, sie sind aber erwünscht!

Soll man die doppelten Afterkrallen wegen Verletzungsgefahr entfernen lassen?
Nein, tun Sie das bitte nicht! 1999 habe ich mich von meinem Tierarzt bei meinem Bardinorüden dazu überreden lassen. Mein Rüde ist danach zeit seines Lebens immer etwas „eierig“ gelaufen, denn die Entfernung der doppelten Ballen und Krallen kommt einer Amputation gleich und greift gezielt ins Gangbild des Hundes ein. Keiner unserer zahlreichen Bardinos hat sich in den vielen Jahren ihrer Haltung jemals an den Afterkrallen verletzt und wir sind täglich mit ihnen in Wald und Feld unterwegs!

Wieso sieht der eine Hund auf Wikipedia so gar nicht nach Bardino aus?
Viele vermeintliche Bardinobesitzer werden irregeleitet, da auf Wikipedia fälschlicherweise ein Hund gezeigt wird, der kein Bardino ist (das untere Foto). Leider konnte ich den Urheber des Fotos nicht dazu bewegen, es zu löschen; ich konnte die Irreführung nur mit einem Kommentar (unter dem Bild) etwas „abmildern“. Der Urheber des Bildes kennt den Hund nicht, hat ihn lediglich in einer Hundeschule kurz gesehen und fotografiert. Dieser Hund stammt vom Festland Spaniens und ist ganz sicher ein Galgo-Presa-Canario-Mischling. Auch der Besitzer des Hundes hat nie bestätigt, dass der Hund ein Bardino sei.

Warum sehen die Welpen einer Hündin manchmal so unterschiedlich aus?
Eine Hündin kann sich während ihrer Läufigkeit mit mehreren Rüden eingelassen haben, deshalb sieht ihr Wurf dann kunterbunt aus.
Nein, die Tierschützer haben der Hundemutter icht einfach irgendwelche Welpen untergeschoben!
Und ja, es kann vorkommen, dass eine Hündin als Amme fungiert - das rettet Leben!

Wird der Hund, den man als Flugpate nach Deutschland begleitet, auch abgeholt?
Sicher wird ein Flugpate nicht erleben, dass der auf Kosten des Tierschutzvereins kastrierte, geimpfte, tierärztlich untersuchte und gechippte Hund, dessen Flug den Verein zusätzlich bis zu 210 Euro (so bei der Fluggesellschaft Condor) kostete, nicht abgeholt wird! Die Tierschutzvereine haben sehr viel in das Tier investiert, warum sollten sie es in eine ungewisse Zukunft entlassen? Ich habe von einem solchen Fall noch nie gehört! Ein Abholer kann einmal zu spät kommen, da er im Stau steckte, aber das ist höhere Gewalt.

Gibt es auf dem Festland Spaniens schlankere Bardinos?
Auch auf dem Festland Spaniens gibt es keine „schlankeren“ Bardinos. Diese Hunde nennt man Galgos!

Gibt es beispielsweise in Griechenland Bardino-Züchter?
In Griechenland gibt es keine Bardino-Züchter. Es gibt dort Züchter griechischer Schäferhunde, z. B. des Ellenikos Poimenikos, Hunde, die von antiken Molossern und anderen Berghunden abstammen.

Ist der Bardino ein Herdenschutzhund?
NEIN! Der Bardino ist kein Herdenschutzhund. Bardinos sind Hüte- und Wachhunde. Hütehunde treiben das Vieh und halten die Herden auf Zuruf des Hirten zusammen. Sie sind eher drahtig und beweglich und vor allem sehr schnell. Typische Hütehunde sind z. B. Australische Schäferhunde, Border Collies etc.

Herdenschutzhunde sind deutlich größer als Hütehunde und auch viel schwerer und kräftiger im Körperbau. Sie haben einen ausgeprägten Schutztrieb und entscheiden selbst. Beispiele: Kangal, Mastín Español, Maremmano.

Mastín Español:
Widerristhöhe: bis zu 82 cm, Gewicht bis zu 70 Kilo,

Bardino:
Widerristhöhe: bis 63 cm, Gewicht bis 45 Kilo.

Was alle diese Rassen gemein haben: Sie arbeiten für Menschen! Alle sind sehr intelligent und haben eine schnelle Auffassungsgabe und kurze Reaktionszeit. 

Hütehunde haben einen weniger ausgeprägten Schutzinstinkt. Der Bardino hat z. B. einen Wachtrieb, wird trotzdem auf den Kanaren nicht als Schutzhund, sondern nur als Hüte- und Wachhund eingesetzt.

Hütehunde sind in der Lage, einzelne Tiere aus einer Herde auszusondern. Sie achten dabei immer auf die Anweisung ihrer Schäfer.

Bekomme ich mit einem Bardino Probleme in Deutschland, weil er wie ein Kampfhund aussieht?
Ein Bardino sieht keineswegs wie ein Kampfhund aus! Allein schon sein Körperbau und sein Kopf unterscheiden sich völlig von einer so genannten Kampfhunderasse.
 

Gibt es auf dem Festland Spaniens einen DNA-Test, mit dem ein Hund der Rasse des Bardinos einwandfrei zugeordnet werden kann?
Soweit mir bekannt, gibt es ihn nicht. Mehrere spanische, kanarische und auch deutsche Tierärzte habe ich diesbezüglich befragt; meine Frage wurde von vielen von ihnen als „Unsinn“ bezeichnet!

Ich halte solche DNA-Tests auch für überflüssig. Anstelle eines DNA-Tests sollte man lieber das Geld für ein neues Hundekörbchen ausgeben oder es dem Tierschutz spenden!

Wie kann ich feststellen, ob (m)ein Bardino reinrassig oder ein Mischling ist?
Handelt es sich um einen noch kleinen Welpen, nur sehr schwer. Sie sehen alle goldig aus! Ich habe ein „Händchen“ dafür, muss aber dazu den Welpen selbst sehen und nicht nur sein Foto.

 Tierschutz beginnt vor der eigenen Haustür, endet aber nicht dort!

(Anja Griesand)